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Geschlechterfriedhof Lunden

Um die Kirche in Lunden liegt der Geschlechterfriedhof. Da die vielen Informationtafeln dort einen guten Überblick geben, lasse ich einfach diese sprechen. 

Geschlechterfriedhof Lunden

Der Geschlechterfriedhof in Lunden stellt ein eindrucksvolles Monument Dithmarscher Vergangenheit dar. Hier wurden Verstorbene der an Geld und Einfluss reichen, im Lundener Kirchspiel ansässigen Familienverbände und Geschlechter beigesetzt.

Die Toten fanden entweder direkt im Erdreich oder in einem der überwiegend westöstlich ausgerichteten Grabkeller ihre letzte Ruhestätte. Von den 19 Grüften, die in dem 1823 angelegten Grabbuch verzeichnet sind, haben sich 13 erhalten. In den Kellern wurden die Särge entweder auf parallel gemauerte Ziegelreichen oder auf eiserne Gestelle gesetzt. Die tonnenförmig eingewölbten Grüfte wurden aus Ziegeln errichtet und verfügen in der Regel über zwei Luftschächte. Die Grabplatten und Stelen wiegen bis zu zwei Tonnen und bestehen überwiegend aus Wesersandstein.

Steine und Keller gehören zu dem jeweiligen Haus oder Hof und wurden mit diesem vererbt oder veräußert, was durch gelegentlich hinzugefügte Jahreszahlen und abweichende Familiennamen auf den Grabplatten dokumentiert wird.

Viele Steine sind nach dem gleichen Muster gestaltet: Die vier Ecksymbole Mensch, Löwe, Stier und Adler stehen für die vier Evengelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Im Zentrum steht ein Engel, der in seiner linken Hans das Manneswappen, in seiner rechten Hand das Frauenwappen hält.

Bauerngeschlechter zwischen Zeit und Ewigkeit

 

Geschlechterfriedhof Lunden – Zeugnis bewegter Dithmarscher Geschichte

 

Über die ereignisreiche Dithmarscher Geschichte kann man viele Bücher lesen. Hier in Lunden kann man Geschichte anfassen!

 

Die 66 Grabsteine und Stelen des Lundener Geschlechterfriedhofs sind Zeitzeugen der denkwürdigen Epoche der

Dithmarscher Freiheit. Sie repräsentieren Stolz und Wohlstand der freien Bauerngeschlechter, die hier ihre Familiengrüfte anlegten. Die berühmte »Dithmarscher Bauernrepublik« (1447 —1559) lasst sich an diesem Ort buchstäblich »be-greifen«.

 

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, um die Vergangenheit dieses historischen Orts zu entdecken — es lohnt sich!

Diese Ausstellung bietet dem Besucher Erläuterungen zum Geschlechterfriedhof, zur St. Laurentius-Kirche und ihrer wechselhaften Geschichte, zu einzelnen Persönlichkeiten der Dithmarscher Bauernrepublik und den Geschlechterverbänden. Hinweise befinden sich an diesem Informationspunkt, auf dem Rundweg und in der Kirche.

 

Eine Broschüre zu Friedhof, Kirche und Ausstellung ist im Kirchenbüro, in der Apotheke gegenüber dem Friedhof und im Heimatmuseum zu erwerben.

 

Von den 19 Familiengrüften, die zu Beginn des 19. Jh. dokumentiert wurden, sind noch 13 erhalten. Zwei von ihnen sind heute der Öffentlichkeit zugänglich. Um 1880 wurde ein neuer Friedhof am südlichen Ortsausgang angelegt. Rund um die Kirche verblieben nur die Gräber der alten Bauerngeschlechter.

 

1938/39 wurde die Anlage des Geschlechterfriedhofs umgestaltet. Die Pläne von 1938 lagen der Restaurierung und Sanierung des Geschlechter­friedhofs 2006/07 zugrunde.

 

Die Zeit ist an Steinen und Grüften nicht spurlos vorübergegangen. Was noch vor wenigen Jahrzehnten erkennbar und lesbar war, ist heute auf einigen Steinen unwiederbringlich verwittert. Um den jetzigen Zustand erhalten zu können, sind umfassenden Konservierungs- und Restaurierungsarbeiten notwendig.

 

Die Kirche ist in der Regel von Ostern bis Erntedank von 9 - 18 Uhr geöffnet. Im Winterhalbjahr sind Besichtigungen nach Rücksprache mit der Kirchengemeinde möglich.

Ein stiller Ort des Verweilens – Die Gartenanlage des Geschlechterfriedhofs.

 

Um 1880 legte die Kirchen­gemeinde am südlichen Ortsausgang einen weiteren Friedhof an. Auf dem ursprünglichen Gelände blieben die historischen Gräber und Grabsteine erhalten.

 

1938/39 wurde der alte Friedhof neu gestaltet. Neben dem Interesse an der Dithmarscher Geschichte, für das sich insbesondere der Lundener Pastor Otto Roos eingesetzt hatte, gab es dafür auch politische Gründe. Die Nationalsozialisten verherrlichten den Bauernstand als »Reichsnährstand«. Das Ergebnis der Umgestaltung wurde der Ideologie allerdings nicht gerecht. Es entstand keine Anlage für politische Aufmärsche, sondern eine romantisierte Kirchhof­atmosphäre, die zu stillem Verweilen einlud.

 

Verantwortlich war der bedeutende Gartenarchitekt Harry Maasz (1880 - 1946). Er entwarf Gedenkstätten, Friedhäfe und zahlreiche Grünanlagen, die für die Bevölkerung von Nutzen waren und führte den Expressionismus in die Gartenkunst ein. Trotz dieser sozialen Ideen war Maasz geprägt vom völkisch-nationalen Gedankengut, was ihm bedeutende Bauaufträge von der NS-Machthabern einbrachte.

In Lunden aber schuf Maasz entgegen der Formensprache der NS-Diktatur eine Anlage, die dem Ort eine angemessene Würde verleiht. Schmale Pfade führen über einen Rundweg an allen Steinen entlang. Die spar­same Bepflanzung mit einheimischen Blumen und Sträuchern gibt dem Friedhof einen behutsamen romantischen Akzent.

 

Maasz erläutert seine Überlegungen bei der Gestaltung:

»... ich wollte und will erreichen die Patina eines alten Kirchhofes mit Wiesenblumen, mit Glockenblumen und Königskerzen, die sich ohne Menschenhand weiter aussäen und das ihre tun. Eine Rankrose hier und da um einen Stein - wie sie übrig blieb durch die Zeiten. Das schwebte meinem Gefühl vor.«

 

Im Rahmen der Restaurierung der Grabsteine 2006/07 wurde die Gartengestaltung von Maasz rekonstruiert.

Das kann kein Schwein lesen

Die Lundener Familie Swyn

 

Die Familie Swyn, die 1329 erstmalig urkundlich erwähnt wurde, bildete zusammen mit den Nannen, deren erste Erwähnung aus dem Jahre 1386 stammt, das Geschlecht der Wurthmannen.

 

Peter Swyn (1480/81-1537) prägte die Geschicke der Dithmarscher Bauernrepublik. Sein Enkel Marcus gestaltete als Landvogt die Zeit nach dem Ende der großen Epoche der Dithmarscher Freiheit. Der auffällige Name „Swyn“ stammt aus dem Skandinavischen (Sven, Svensson), ist im Plattdeutschen aber gleichbedeutend mit „Schwein“.

 

Der gelehrte Bauernregent Peter Swyn war Mitglied im „48er“-Rat und führte u.a. gegen große Widerstände Rechtsreformen ein. Als weitgereister Kaufmann gewann Swyn Einblicke in fremde Lebensweisen und Erfahrungen mit europäischen Rechtsnormen. Er Begab sich auf eine Pilgerfahrt in das nordspanische Santiago de Compostela.

 

Ein politisch motivierter Mordanschlag beendete 1537 Peter Swyns Leben. Am Tatort in Lehe stand zunächst ein Sühnestein, heute steht er auf dem Friedhof neben dem eigentlichen Grabstein. Er zeigt die dramatische Szene wie Swyn bei seiner Ermordung vom Pferd gerissen wird. Das Kruzifix weist darauf hin, dass Swyn ein Bewahrer des Glaubens war. Religiöse Neuerungen waren ihm fremd. Er stimmte der Reformation erst zu, als es politisch und wirtschaftlich geboten war. 

 

Marcus Swyn (1524-1585) wurde nach dem Ende der Bauernrepublik zum ersten Landvogt für das nördliche Dithmarschen eingesetzt. Als prominenter Vertreter der Bauerngeschlechter war er zunächst als Geisel nach Rendsburg verschleppt worden. Der rekonstruierte „Swyn’sche Pesel“ (Wohnstube) von 1568 ist ein eindrucksvolles Zeugnis dieser Zeit. Das prachtvolle Bauernzimmer mit geschnitzter und bunt bemalter Innenausstattung hat Marcus Swyn als Landvogt genutzt. Heute ist der Raum im Dithmarscher Landesmuseum in Meldorf zu besichtigen.

 

Ein sprachliches Zeugnis zum Wirken der Swyns stammt aus Marcus Swyns Amtszeit. Nach dem Ende der Bauernrepublik mussten die Besitzdokumente beim Landvogt neu beglaubigt werden. Waren die Papiere unleserlich geworden, wurde festgestellt: „Das kann ja nicht einmal ein Swyn mehr lesen“ (dat kann keen swyn lesen“).

 

Die weit verbreitete Redewendung „Das kann kein Schwein lesen“ geht auf den ersten Lundener Landvogt zurück.

 

Links:

Bei Wikipedia findet man Peter Swyn hier.

Sagen zu Peter Swyn beim Projekt Gutenberg findet man hier.

Mächtige Bauern – Der „Rat der 48er“ und das Geschlechterwesen

 

Der „Rat der 48er“

 

Wegen der Eigenständigkeit der Kirchspiele herrschte häufig Uneinigkeit darüber, wie sich die Gemeinschaft des Landes nach außen verhalten sollte.

1447 setzte man daher das „Dithmarscher Landrecht“ und ein Obergericht ein, das aus 48 „Richtern und Ratgebern“ bestand – den sogenannten „48ern“. Der Rat bestand aus je zwölf Vertretern von vier Vogteibezirken, den „Döfften“ – der Wester-, Middel, Oster- und Meldorfer Döfft.

 

Nach 1500 nahmen die „48er“ immer mehr die Aufgaben der Landesregierung an. Seit 1509 nannten sie sich „Herren und Regenten“. Die Männer waren einflussreiche Großbauern und Handelsherren. Unter ihnen waren etliche Mitglieder aus Lunden, wie Peter Swyn und Olde Peter Nanne. Die Regierung tagte bis 1559 in der Regel samstags auf dem Heider Marktplatz und in den angrenzenden Häusern.

 

Das Geschlechterwesen

 

Die Geschlechterverbände sind eine Dithmarscher Besonderheit. Sie bildeten sich im Zusammenhang mit der Besiedlung und Bedeichung des Landes als Genossenschaftsverbände heraus. Sie leisteten Eideshilfe bei Prozessen und Beistand in Streitigkeiten. In Notsituationen unterstützten sie als Sozialverbände ihre Mitglieder. Einem Geschlecht gehörten unterschiedliche Familien an. Im 15. und 16. Jh. übernahmen Kirchspiele und „48er“ immer mehr die Aufgaben und Funktionen der Geschlechter. Bis heute spielen jedoch die Familienverbände eine bedeutende Rolle in Dithmarschen.

 

Lunden als Hauptort der Dithmarscher Bauernrepublik

 

Die mächtigen Bauern waren zugleich Kaufleute und Bürger. Korn und Vieh exportierten sie zu Land und auf eigenen Schiffen bis in die Niederlande, nach Spanien und Russland. Um 1500 entwickelte sich Lunden mit seinem Hafen Wollersum an der Eider zu einem zentralen Umschlagplatz in Dithmarschen. In Konkurrenz zum alten Hauptort Meldorf entfaltete Lunden seine Zentralstellung, sichtbar am Klosterbau und dem Stadtrecht.

 

Als zentraler Handelsort erhielt Lunden 1529 das Stadtrecht. Es regelte alle Belange, die sich aus dieser Funktion als Handelszentrum ergaben und bezog auch den Hafen Wollersum mit ein. Das Lundener Stadtrecht verlor 1559 nach dem Ende der Herrschaft der „48er“ seine Bedeutung und rechtliche Grundlage.

Der Kampf um die Freiheit – Die Dithmarscher Bauernrepublik

 

Dithmarschen gehörte im Mittelalter zum Erzbistum Bremen. Der Erzbischof regierte das Land durch Vögte und das Hamburger Dom­kapitel. Die Kirchspiele waren jedoch recht eigenständig. Von 1447 bis 1559 war Dithmarschen eine freie Bauernrepublik, vergleichbar einer Städterepublik, die zwar dem Erzbischof unterstand, aber im Wesentlichen unabhängig war. Die »Dithmarscher Freiheit« wurde als das höchste Gut des Landes betrachtet.

 

Im 15. Jh. versuchte der dänische König, Dithmarschen seinem Machtbereich einzuverleiben. Auf diplomatischem Weg war dies nicht möglich, daher beschloss Johann I. die kriegerische Übernahme. Mit einem großen Heer, vorwiegend aus holsteinischen Adligen, rückte er in Dithmarschen ein. Zur Entscheidungsschlacht kam es am 15. Februar 1500 bei Hemmingstedt. Der morastige Untergrund, bedingt durch einsetzendes Tauwetter und geöffnete Schleusen, verhinderte, dass die Ebene zur Schlacht genutzt werden konnte. Die Dithmarscher hielten die vorteilhaften Punkte im Gelände besetzt und brachten dem königlichen Heer innerhalb weniger Stunden eine vernichtende Niederlage bei.

 

Viele Lieder erzählen von der Schlacht bei Hemmingstedt:

vom Sieg über die vermeintlich unbezwingbaren Landsknechte der »Schwarzen Garde«, von den Dithmarscher Helden Wulf Isebrand und Reimer von Wiemerstedt, vom Schlachtruf »Help Maria milde«, von der Jungfrau, die das Banner trug und dem Kreuz, das die Dithmarscher in ihrem Lager mit sich fuhrten.

 

Der Sieg bei Hemmingstedt bestätigte die Freiheit der Republik.

 

Erst 1559 gelang es dem dänischen König Friedrich II. mit Herzog Adolf von Gottorf, das Land zu erobern. Er tastete jedoch die »Dithmarscher Freiheit« nach innen nicht an. Die Kirchspiele behielten ihre Selbstverwaltung und der Adel konnte sich im Land nicht festsetzen.

Flaschenpost aus der Vergangenheit – Archäologische Spurensuche

 

Von den ursprünglich 19 Grüften sind 13 erhalten. Der Eingang zu den Kellern bestand aus einem Treppenschacht, der mit einer bis zu zwei Tonnen schweren Grabplatte als Deckstein verschlossen war. Die Särge standen auf parallel gemauerten Ziegelreihen oder eisernen Stellagen. Die tonnenförmigen Gewölbe sind überwiegend aus großen Ziegelsteinen im Klosterformat gemauert und verfügen über zwei Entlüftungsschächte. Die Grabsteine wurden zumeist von Bremer Steinmetzen gearbeitet und bestehen aus Wesersandstein.

 

Das Archäologische Landesamt führte von 2001 bis 2003 unter der Leitung von Wolfgang Bauch Untersuchungen auf dem Friedhof durch. Sie hatten zum Ziel, dem Verfall der Grüfte entgegenzuwirken, Bestandspläne zu erstellen, weitere Gewölbe zu entdecken und Grabungen an der Friedhofsmauer und einer Gruft durchzuführen. Wissenschaftler der Christian-Albrechts-Universität Kiel untersuchten das Gelände mithilfe geo­physikalischer Messungen, die einen zer­störungsfreien Blick unter die Erde er­möglichen, vergleichbar mit einem Röntgen­bild. Auf diese Weise können unbekannte Hohlräume unter der Oberfläche lokalisiert werden, die hier allerdings nicht gefunden wurden.

 

Die Gruft der Familie von Harm Witt wurde bei der Ausgrabung nicht vollständig geöffnet, sondern nur freigegraben und eine kleine Öffnung in die zugemauerte Tür gestemmt. Dabei entdeckten die Ausgräber. dass einst schon jemand dieses Grab betreten und deutliche Spuren hinterlassen hatte. Auf dem Boden verstreut lagen Knochen und Überreste der Särge. Darauf lag eine verkorkte. greine Glasflasche. Man entdeckte darin einen Zettel. auf dem geschrieben stand: „Dieser Keller wurde am 22.6.2938 geöffnet und wieder dicht gemauert. Julius Schröder, Hans Mallen

Konrad Bornholdt, Walter Hanßen, Chr. Rönnau, Johann Haak, Kirchendiener z.z. Heinrich Kruse, geb. 1864. Unser Führmann war Claus Groth, Gänsemarkt.“

Zum zweiten Teil geht es hier.

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